Meryl Streep : „Wenn ich einen Sancerre trinke, bin ich fast im Paradies!“

Die am meisten preisgekrönte Hollywood-Schauspielerin erzählt uns - nicht ohne eine gute Portion Humor - wie sie bei den Dreharbeiten zu „Julie und Julia“ gelernt hat, Wein besser zu schätzen. Wir hängen an ihren Lippen...



Bei den Dreharbeiten zu Nora Ephrons „Julie und Julia“ habe ich viel über Wein gelernt. Zum Beispiel, dass junge Weine immer vorsichtig karaffiert werden sollten. Ein französischer Sommelier sagte mir, dass der Wein dadurch sauerstoffreicher wird. Wein muss eine gewisse Zeit ruhen, das ist sehr wichtig.



Seit man mir das beigebracht hat, habe ich mir mehrere mehr oder weniger schön gestaltete Karaffen beschafft. Wichtig ist, so habe ich mir sagen lassen, dass der Boden schön flach ist, damit der Wein gleichmäßig belüftet wird. Was ich sonst noch in Frankreich gelernt habe? Oh ja, das gibt es doch ein Sprichwort bei euch, das besagt, dass der beste Weg, einen Mann an sich zu fesseln, darin besteht, ihm jeden Tag gute Gerichte zuzubereiten und ihm guten Wein zu servieren. Die echte Julia Child, die in den Vereinigten Staaten eine beliebte Köchin war, wiederholte oft: „People who don’t like to eat are the most boring people“ (Menschen, die nicht gerne essen, sind die langweiligsten Menschen).

Ich für meinen Teil habe schon immer Genießer geliebt, die wissen, wie man einen guten Tisch ehrt, es darf aber auch nicht zu einer Fressorgie werden. Für mich sind Junk-Food-Esser nicht besser als Kostverächter und andere papillensklerosierte Menschen! Wichtig ist auch die Präsentation, denn eine Scheibe Foie gras auf einem Pappteller hat gewiss nicht den Charme, den sie auf einem fein verzierten Porzellanteller hat. Dasselbe gilt für den Champagner. In einem Plastikbecher serviert ist der romantische Charme sofort verschwunden.



Also, was mich vom Boden abheben lässt, ist ein Huhn mit Estragon, mit einem kleinen Salat serviert und von einem guten Sancerre begleitet. Wenn ich einen Sancerre trinke, bin ich fast im Paradies! Ich muss allerdings sagen, dass mein Bruder ein viel besserer Weinkenner ist als ich. Er braucht nur seine Nase in ein Glas Wein zu stecken, um Ihnen zu sagen, in welcher Lage der Wein gereift ist. (Lacht) Ich bin eher ein Mensch, der nicht gerne Fehler macht. Deshalb kaufe ich meistens dieselben Weine. Cabernet-Weine. Echte Weinkenner meinen, dass es sich wohl eher um einen etwas „elementaren“ Wein handelt, aber das ist mir egal. Ich genieße es wirklich, diesen Wein zu trinken.

 

Von Frank Rousseau

Am 21/12/2017