Extremweine: Gewächse aus dem südlichen Rhone-Gebiet, die gefälligen Rotweine

Mit 15 und sogar 16 % scheinen einige Appellationen eine besondere Prädisposition für einen höheren Alkoholgehalt zu haben. Was soll man davon halten?

 

Eine geografische Erklärung

Je weiter man sich in den Süden begibt, desto stärker scheint die Sonne und desto mehr Zucker entwickelt sich in den Trauben. Bei der Gärung, mit einem Verhältnis von 17 g pro Grad, verwandelt sich dieser Zucker in Ethanol. Darüber hinaus sind die Ebenen des südlichen Rhonetals zu weit vom Mittelmeer entfernt, um seine Frische nutzen zu können.

Und schließlich konzentrieren einige Ortschaften die Kraft der Sonne, wie Châteauneuf du Pape (mit seinen berühmten Rollkieseln) oder Gigondas (wo sich das Massiv der Dentelles de Montmirail befindet).

 

Aber auch eine „menschliche“

Im Gegensatz zum nördlichen Rhonegebiet, wo die Rotweine ausschließlich aus Syrah-Trauben erzeugt werden, sind die Südweine Verschnitte, bei denen die Grenache-Trauben vorwiegen (mindestens 50 % bei einem Côtes-du-Rhône, 80 % bei einem Vacqueyras, 90 % bei einem Gigondas...). Diese Rebsorte mit sehr fruchtigen Aromen hat die Eigenschaft, von Natur aus viel Zucker zu erzeugen.

Eine weitere Erklärung liegt in der Entwicklung des Geschmacks. Um feinere Tannine und stärker fruchtbetonte Weine mit weniger Säure zu erhalten, neigt man dazu, die Weinlese auf ein späteres Reifestadium der Beerenschalen zu verschieben (obwohl die Weinlese aufgrund der Klimaveränderung immer früher erfolgt). Daher sind die Trauben süßer.

Und schließlich enthält der Boden aufgrund des Klimawechsels - ohne von dem Hitzesommer 2003 zu sprechen - weniger Wasser bei gleichzeitig stärkerer CO2-Konzentration in der Luft. Durch Konzentration und übersteigerte Photosynthese erhält man so noch süßere Trauben.

 

Ein Stil, den es zu erhalten gilt

Die - historische - Kraft dieser Weine ist kein Fehler, solange der Stil des Weins ausgeglichen bleibt. Die „Wärme“ des Weins darf sich nicht in „Hitze“ verwandeln. Die Weinbauern sind sich dessen wohl bewusst und handeln dementsprechend.

Im Weinberg bremsen bestimmte Wurzelstöcke den rasanten Zuckeranstieg ab. Die Blattgestaltung des Weinstocks ermöglicht die Regulierung der Photosynthese. Die Begrünung (oder nicht) kann den Wasserhaushalt regeln. Ein Wald am Rande der Parzelle spendet Frische... Im Weinkeller kann auch die Auswahl von Hefen mit geringem Ertrag für die Umwandlung in Alkohol nützlich sein. (Nebenbei sei angemerkt, dass die Hefen sich selber töten, wenn der Wein einen Alkoholgehalt von etwa 16 % erreicht).

Und schließlich muss der Harmonie am Gaumen der Vorrang gegeben werden. Nach Reglement muss auf dem Flaschenetikett der Alkoholgehalt angegeben werden (mit einer Fehlermarge von 0,5 % in Europa). Die Winzer minimieren das soweit wie möglich, da der Verbraucher besorgt ist. Was für eine Ironie! Für die Generation unserer Eltern war ein hoher Alkoholgehalt eine Garantie für Qualität, und die meisten Weinappellationen fordern auch weiterhin einen Mindestalkoholgehalt.

Diese Weine frisch, mit einer Temperatur von 15-16 °C servieren, und Wassertrinken nicht vergessen. Wenn sie Säure und Mineralität aufweisen, sind diese tausendjährigen Gewächse der absolute Genuss, wenn zu Tisch serviert. Der Alkohol hebt dann den Geschmack und die Textur hervor, die Garantie für lange Lagerfähigkeit sind!

 

Alain Echalier

05/12/2017