Die großen Behältnisse

Dame-Jeanne, Jeroboam, Imperial ...was hat es mit derartigen Behältnissen auf sich, wer hat ihnen ihre Namen verliehen und was soll man davon halten?

 

Eine etwas konfuse Geschichte, ohne jeglichen rechtlichen Anspruch

Der Ursprung der Namen, der logischerweise zwar nicht allzu fern zurück liegt - die modernen Flaschen sind erst im 18. Jh. entstanden - ist jedoch zum großen Teil verloren gegangen.

Dame-Jeanne (oder Marie-Jeanne) bezeichnet einen Glasballon von 2,55 l (3 l in Bordeaux) und erinnert an die Silhouette einer molligen Wirtin. Historisch handelt es sich um das Behältnis für den Schnaps der südfranzösischen Seeleute. Der Dichter Mistral spricht von der „Damajana,“ und sie werden heute noch im Roussillon für gewisse Weine verwendet (Banyuls, Maury,...).

Magnum stammt ohne Zweifel aus dem Lateinischen und bedeutet „groß“. Es sei angemerkt, dass die Magnum zwar einer doppelten Flasche entspricht, sie jedoch dem leidigen Trend zur Verkleinerung folgt. Sie enthielt 2 l, als der Liter Wein der Standard war, beträgt jedoch nur noch 1,5 l, als die „normale“ Flasche auf 0,75 l schrumpfte.

Mit Jéroboam beginnen die alttestamentarischen Verweise. „Starker und tapferer“ König von Israel (man versteht die Anspielung auf die erwarteten Eigenschaften des Behältnisses), hat dieser doch Israel Sünden begehen lassen (eine späte Aufforderung zur Mäßigung?). In der Champagne enthält diese Flasche 3 l, in Bordeau 5 l, während die 3-l-Flasche dort allgemein „double-magnum“, also doppelte Magnum, genannt wird (in diesem Stadium schaffen wir das zählen noch).

Rehoboam (4,5 l), Mathusalem (6 l), Salmanazar (9 l), Balthasar (12 l), Nabuchodonosor (16 l) sind typische Behältnisse für Champagnerweine, die alle nach biblischen Königen des Morgenlands benannt sind. Niemand kann sich erinnern, wer die Idee hatte, die Flaschen so zu benennen, aber diese prestigeträchtigen Referenzen verleihen die gewünschte „Noblesse“.

Impérial ist eine 5-l-Flasche (manchmal 6 l), die in Bordeaux so genannt wird. Obwohl Napoleon I. der Halbgott vieler Menschen bleibt, so sind wir jedoch davon überzeugt, dass es sich in diesem Fall um Napoleon III. handelt. Dieser letzte hat mit der Klassifizierung der Médoc-Weine im Jahre 1855 viel für die großen Châteaux-Weine der Region getan.

Primat (27 l), Melchisedec (30 l) sind Handelsbezeichnungen, die vom Champagnerhaus Drappier erfunden wurden.

Wie dem auch sei, alle diese Namen werden nicht offiziell anerkannt. Und das ist gut so, da sie häufig keine einheitliche, regionale Entsprechung haben. Allein zählt das Volumen, das auf dem Flaschenetikett und auf der Restaurantkarte angegeben sein muss.

 

Aber wozu derart große Flaschen?

Über das Prestige hinaus und jenseits des Stolzes, eine besonders „Große“ zu haben, oder der Kommunion, indem man alle aus derselben Flasche trinkt, sind einige dieser Behältnisse dennoch interessant:

Das Volumen nimmt zwar zu, aber der Flaschenhals wird nicht größer (der der meisten Magnum-Flaschen ist genauso groß wie der normaler Weinflaschen). Dadurch wird der Gasaustausch im Verhältnis zum Wein reduziert, was den großen Behältern einen langsameren und qualitativeren Alterungsprozess ermöglicht. Ob mit einem vollmundigen Rotwein, dessen Tannine geschmeidiger werden, oder mit einem Champagner, dessen Hefen die Aromen komplexer machen, ist der geduldige Trinker einer großen Flasche eindeutig im Vorteil. (Man bedenke jedoch, dass die Hefen in einer Flasche Champagner nur während der zweiten Gärung vorhanden sind und für die Schaumbildung verantwortlich sind. Diese Hefen werden dann entfernt, bevor der Champagner auf den Markt kommt. Es hat somit keinen Sinn, einen Champagner bei sich zuhause altern zu lassen, wie groß die Flasche auch sei).

Außerdem erfolgt die zweite Gärung von Champagnerweinen in der Servierflasche nur bis zur Jéroboam. Größere Flaschen werden ausschließlich auf Bestellung angefertigt, die von den Winzern mit dem Inhalt von... 75-cl-Flaschen gefüllt werden. Sie werden somit eigentlich nur zu feierlichen Anlässen serviert.

Man beachte, dass derart große Flaschen auch einige Nachteile haben. Die Behältnisse selbst sind teurer, weshalb eine Magnum-Flasche mehr kostet als zwei normale Flaschen (und so fort). Aus einer sehr großen Flasche servieren stellt einen relativ großen Kraftakt dar. Und schließlich, da jede geöffnete Weinflasche so schnell wie möglich geleert werden sollte, sollte man sich genau überlegen, welche Flaschengröße (auch für den Kühlschrank) die passende ist.

Aber die Freude, die beim Anblick einer großen Flasche aufkommt, ist unermesslich!

 

Von Alain Echalier
29/11/2017