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Bordeaux 2013: Die Revanche der Frucht

Bordeaux 2013: Die Revanche der Frucht

 

Das Jahr 2013 hätte in Bordeaux einen tragischen Verlauf nehmen können. Ein vergleichbarer Jahrgang, an den man sofort denkt, ist der von 1984: Ein schwieriger Jahrgang, fast ohne Merlot-Trauben, die der Verrieselung zum Opfer gefallen waren. Ein Jahr, in dem die einzigen, ihrem Rang würdigen Weine im Médoc und den Graves gediehen. Akzeptable Weine, aber selbstverständlich ohne das Fett, die Rundheit und Vielschichtigkeit der großen Jahrgänge.

Das ist, in groben Zügen, das Profil des vergangenen Jahres, dessen eigentliches Verdienst es war, der Frucht die Rolle zuzuteilen, die ihr gebührt. Die meisten Weine entstehen mit diesem Geist, mit mehr oder weniger Erfolg.

Im Médoc, erweisen sich die Appellationen aus dem Norden als sehr homogen. Saint-Estèphe schneidet gut ab, Pauillac und Saint-Julien jedoch noch besser, teilweise mit einem überraschenden Stoff und vorzüglich hergestellten Weinen, die eine absolut ehrenvolle Karriere haben werden. Margaux ist nicht so einheitlich, und die Verschnitte räumen dem Cabernet Sauvignon eine besondere Stellung ein (94 % für den Château Margaux, 5 % Cabernet Franc, 1 % Petit Verdot und..., etwas nie Dagewesenes, keine Merlot-Trauben!). Insgesamt Weine, aus denen man das Beste gemacht hat und die bald trinkreif sind. Die Haut-Médoc classés bewegen sich im selben Register, wobei ihr natürlicher Anführer La Lagune (3. großer Cru classé) nicht mal einen Primeurwein vorgestellt hat.

Die beiden Gemeindeweine des Médoc (Moulis und Listrat) zeigen ein entgegengesetztes Antlitz. Listrac hat solide, typische Weine erzeugt, hart an der Grenze der Rustikalität. Moulis bleibt seinem Terroir treu, erzeugt charmante Weine mit schönem, aromatischen Tiefgang und lieblichen Tanninen. Poujeaux ist in diesem Jahr von bewundernswerter Aufrichtigkeit.

Bei der Appellation Pessac-Léognan, ein Rotwein, ist die Spanne zwischen den Größten und den Anderen eklatant. Haut-Brion und La Mission sind voller Leben, die anderen Châteaux-Weine verharren auf der Stelle, denn häufig fehlte es an Materie und Korpulenz. Die Weißweine enttäuschen nicht, sind aber auch nicht außergewöhnlich.

Die gute Überraschung kommt zweifellos vom rechten Ufer. Pomerol hat seine legendären Merlot-Trauben retten können, dank ihrer Frühreife und den zahlreichen, von Schutt, Sand und Tonerde gebildeten Terroirs. Die Weine sind häufig ein Erfolg, vollmundig, ausdrucksvoll, mit jener Samtigkeit und dem Stoff, die den Ruhm der Appellation gemacht haben. Auch hier nichts Außergewöhnliches, aber dieser Jahrgang erweist sich als ein schönes Produkt, und einige Weine hinterlassen einen starken Eindruck. In Saint-Émilion ist die Lage nicht ganz so idyllisch, aber insgesamt ist das Niveau sehr korrekt, mit großen Terroirs, die sich einmal mehr auszeichnen (Figeac, Ausone, La Dominique...).

Sauternes und Barsac sind darunter nicht die großen Klassiker. Die Weine sind von der Konzentration her häufig leicht und setzen stärker auf die Frische und Frucht. Ein atypischer Stil, der jedoch zweifellos den Erwartungen der heutigen Verbraucher entspricht. Wir werden sehen, ob dieser Jahrgang einen Wendepunkt in der Geschichte dieser mythischen Appellation der Bordeaux-Weine darstellt.

Preismäßig geht der Abwärtstrend weiter, aber die angekündigten 20 bis 30 % sind noch weit entfernt (siehe Tabelle). Tatsächlich beträgt der Preisrückgang der 12 von uns betrachteten, legendären Weine lediglich knapp 10 %. Und das, obwohl die Märkte noch überbevorratet sind - insbesondere die asiatischen - und die Preise seit 2008 ordentlich gestiegen waren, insbesondere für einen Jahrgang 2011, der jedoch bei weitem nicht zu den Besten gehört. Eine riskante Wette der Châteaux, vor allem für die teuersten, deren Preise seit 2008 himalayische Ausmaße annehmen (zur Erinnerung: 1000 € die Flasche Cheval-Blanc des großen Jahrgangs 2010), und die Qualität dieses Jahrgangs 2013 ist weit von der der größten Jahrgänge entfernt, insbesondere hinsichtlich ihrer Lagerfähigkeit.

 

VERGLEICHSTABELLE DER PREISE 2013-2012

Margaux

Château Margaux 2013: 250 € zzgl. USt. (2012: 299 € zzgl. USt.) - 16,5 %

Pauillac

Château Lafite-Rothschild 2013: 330 € zzgl. USt. (2012: 395 € zzgl. USt.) - 6,5 % Château Mouton-Rothschild 2013: 250 € zzgl. USt. (2012: 299 € zzgl. USt.) - 16,5 %

Pessac-Léognan

Château Haut-Brion (rot): 250 € zzgl. USt. (2012: 282 €) - 12 %

Saint-Julien

Château Léoville Las Cases: 89 € zzgl. USt. (2012 : 95 €) - 7 %

Saint-Emilion Grand cru

Château Cheval-Blanc 2013: 350 € zzgl. USt. (2012: 390 € zzgl. USt.) - 11 % Château Angélus 2013: 189 € zzgl. USt. (2012: 210 € zzgl. USt.) - 10 % Château Canon La Gaffelière 2013: 43,80 € zzgl. USt. (2012: 46 € zzgl. USt.) - 5 %

Pessac-Léognan

Château La Mission Haut-Brion (rouge): 137 € (2012: 172 €) - 20,5 %

Pomerol

Château L’Evangile 2013: 115 € zzgl. USt. (2012: 121 € zzgl. USt.) - 5 % Château La Conseillante 2013: 65,50 € zzgl. USt. (2012: 65 € zzgl. USt.) Dito Château Clinet 2013: 43,50 € zzgl. USt. (2012: 48,50 € zzgl. USt.) - 10,5 %

Quelle: Millésima